70.3 Elsinore

Wenn man morgens aufsteht und da schon das Gefühl hat, das wird mein Tag (als Sportler mit ein paar Jahren Erfahrung kennt man das Gefühl) und dieses Gefühl eigentlich nicht beschreiben kann….
ob es mein Tag war und was der Grund ist warum ich Triathlon mache, dann lest ihr und jetzt weiter.

Dieses Rennen mit dieser Kulisse stand schon einige Zeit auf der Bucket List. Als ich vor einigen Jahren Bilder von diesem schönen Städtchen und Kronborg Castle gesehen habe war klar, da will ich auch mal starten. Das Dänemark Ironman Rennen organisieren können wusste ich schon von meinen Start in Kopenhagen aus 2016. So ging es Donnerstagnachmittag auf die lange Reise. Leider etwas später als geplant aber am Ende war das sogar unser Glück. So reisten wir dem Unwetter, was über Nordhessen und Niedersachsen wütete hinterher und waren zum Glück nicht mittendrin. Nach einer Nacht bei Hannover ging es Freitagmorgens weiter. Hier gab es keine weiteren Verzögerungen und wir wahren überpünktlich an der Fähre nach Dänemark. Dort durften wir sogar eine Fähre früher nehmen als gebucht.
In Elsinore angekommen fuhren wir direkt zum gebuchten Ferienhaus. Das Haus ein Traum mitten in der Innenstadt, kann ich nur empfehlen. Kurze Wege für alles, also auch für das Event an dem ich teilnehmen wollte. Samstag die letzten Vorbereitungen und das übliche Prozedere mit Rad CheckIn, CarboLoading usw.

Dann das besagte Aufstehen, nichts konnte mich aus der Ruhe bringen. Die super Lage des Hauses lies es zu das ich zur Wechselzone lief, alles vorbereitete und danach wieder zurück ins Haus konnte. Dort nochmal Beine hochgelegt und die letzte Ruhe vor dem Sturm genießen konnte. 6:40 Uhr bin ich wieder zum Eventgelände. Neo an, von der Familie verabschiedet und ab in Wasser zum Einschwimmen. Ca. 19 Grad kalt/warm war das Wasser. Perfekt für schwimmen it Neo. Die Sonne über dem Kronborg Castle, die Szene war jetzt schon fast zu perfekt. 7:30 Uhr start der Profi Frauen (Profi Männer waren diesmal nicht am start/erlaubt). Die schnellsten Athleten hatten sich hier schon aufgereit. Mit dem zweiten Kanone „Knall“ um 7:35 Uhr ging es auch für uns AgeGrouper los. Ich sprang ca. 7:39 Uhr in Wasser für meine Hafen-Tour.

Hafen-Tour ist das richtige Wort für diese Schwimmstrecke, den es wurde jede Möglichkeit ausgenutzt um hier auf die notwendige Strecke zu kommen. Selbst ich habe mir die Strecke mehrfach vorher von außen angesehen. Rollingstart, das bekannte Startprozedere mittlerweile, lies alle 10 Sekunden 3 Athleten ins Wasser. Dadurch war sehr wenig los und Orientierung war gar kein Problem. Hier säumten sich schon viele Zuschauer entlang der Hafenbecken. Im Wasser einige Quallen, die machten dann Platz auf der Ideallinie und waren auch zum Glück nicht gefährlich. Nach 30:48min hatte ich wieder Boden unter den Füßen und begab mich Richtung Wechselzone. Damit war ich mehr oder weniger zufrieden. Gerne hätte es aber auch unter 30 Minuten sein dürfen. Schnellgewechselt ging es auf die schnelle Radstrecke. ca 480 HM auf 90km sind nicht viel und konnten als Wellen größtenteils „weggedrückt“ werden. Auf den ersten 10km gab es leichten Rückenwind. Leider hatte meine Wattmessung nicht richtig funktioniert, aber auf gutes Training und Körpergefühl konnte ich mich diesmal verlassen. Nach einem kleinen Anstieg ging es dann auf die 2 Runden. Bei km 20 gab es die erste Verpflegungsstation und da hatte sich dann auch das Feld sortiert. Einige schnelle Schwimmer waren eingeholt, ein bis zwei schneller Radfahrer waren davongezogen. Der Straßenbelag war Top und so rollte es sich super über die Straßen von Dänemark. In der zweiten Runde war dann viel Überrunden angesagt, aber auch das war kein Problem/Hindernis, da die Straße komplett gesperrt war und nur in eine Richtung auf der Runde geradelt wurde. Zum Abschluss ging es wieder runter ans Wasser und die 10km zurück, diesmal mit Gegenwind. Da keine verrückten Sachen machen, um ca. 1 Minuten auf 10km rauszufahren muss man verhältnismäßig viel Energie aufwenden, die man beim Laufen noch braucht und mehrfach verlieren kann. So ging es weiter mit Körpergefühl zurück in die Wechselzone. 2:19:09 war die offizielle Zeit die ich für die 90km gebraucht habe. 38,6km/h im Schnitt, damit war ich mega happy und es standen noch nicht so viele Räder in der Wechselzone.

Ab in die Laufschuhe und auf City Tour. 3,5 Runden waren angesagt. 4mal um das Castle und 3 mal durch die City. Die Stimmung am Startzielbereich war schon klasse, aber in der City genau das gleiche. Nach guten Beinen beim Radfahren hatte ich wohl auch meine Läuferbeine mit dabei. Nicht zu wild aber zügig lief ich los. Ich fand sofort meinen Rhythmus bei knapp unter 4:30min/km und habe diesen bis zum Ende nicht mehr verloren. Ich konnte einfach die Pace halten, war locker, es machte Spaß, es hat sich einfach Mega angefühlt. So war ich auch in der ersten Reihe beim Battle um Platz eins im Profi Frauen Feld. Die Damen waren eine Runde weiter als ich, aber zwischen Platz eins und zwei waren nur wenige Sekunden. Die Laufgeschwindigkeit war auch nicht viel unterschiedlich so das ich es einige Zeit gesehen habe, auch das motivierte und vor allem war da die Stimmung immer noch etwas lauter. Wieder habe ich mir eine kleine Blase an einem Zeh geholt, aber auch die bremste mich diesmal nicht. Ich konnte über die leicht schmerzen einfach drüber laufen. Bei Km 15 auf der Laufstrecke habe ich dann mal meine Mathekünste versucht. Meine Hochrechnung ergab, es kann knapp für unter 4:30:00 reichen. Was machen? Beine, Kopf und auch der Magen, alles war noch gut. Aber zu viel Riskieren bei noch 6 km und der mittlerweile warmen Mittagsonne wollte ich auch nicht. So entschied ich mich das Tempo um 5-10 Sekunden pro Kilometer auf ca. 4:20min/km anzupassen. Mit der Euphorie und der Megastimmung war das auch kein Problem und so flog ich, im wahrsten Sinne des Wortes, auf die Zielgeraden ein. Ich konnte die gute Stimmung voll aufsaugen und dann blieb die Uhr bei 4:28:34 stehen. Meine zweitschnellste Zeit auf dieser Distanz. Die ca. 60 Sekunden die ich auf den letzten 6km in Summe schneller gelaufen bin, haben mir auch zum ersten mal einen negativ Split gebracht, d.h. ich bin den zweiten Teil des Halbmarathons schneller gelaufen als den ersten Teil. Für den Halbmarathon hatte ich dann 1:31:58 gebraucht. Es gab kein Spiegel deshalb kann ich euch nicht sagen wie breit das Grinsen war, aber es muss sehr breit gewesen sein.

Hier noch der Grund warum ich Triathlon mache, das werde ich immer mal wieder gefragt.
Genau weil es Tage wie diese gibt!! Dich feuern tausende von Menschen an die du nicht kennst und du alles aus dir rausgeholt hast was möglich war.

Und weil ich keine der Sportarten so richtig kann. Hier der Beweis:
In meiner Altersklasse 14. Schwimmzeit, 9. Radzeit und 8. Laufzeit = 6. Platz
Gesamt: 126. Schwimmzeit, 87. Radzeit und 111. Laufzeit = 61. Platz

Mit diesem 6. Platz in meiner Alterklasse habe ich mich auch für die 70.3 WM in Lahti in zwei Monaten qualifiziert.

Fazit: Ein Rennen, eine Stadt, eine Kulisse/Bühne die man nur empfehlen kann. Danke an alle die das möglich gemacht haben!

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