70.3 Michigan

Völlig überraschend konnte ich meine Altersklasse beim Ironman 70.3 Michigan gewinnen. Wie es zu dem Ergebnis kam, warum ich in Michigan an den Start gegangen bin und warum ich das Rennen zu 100% empfehlen kann lest ihr in den folgenden Zeilen.

Alle zwei Jahre wieder reise ich zu einer Messe nach Chicago. Seit zwei Jahren ist diese Messe jetzt im September und nicht mehr im November. 2021 waren mehr oder weniger noch keine Veranstalltungen aber dieses Jahr prüfte ich ob es nicht ein Lauf oder Triathlon in der Region rund um Chicago entweder am Wochenende vor oder nach der Messe geben könnte. So bin ich auf den 70,3 Michigan gestoßen. Dieser findet seit letztem Jahr in Frankfort/Michigan statt. Das klang schon verlockend als Frankfurt Fan 😉
Dann habe ich noch etwas gegoogelt und ein paar Bekannte Triathleten in den USA gefragt. Ich habe nur gutes herausgefunden. Somit habe ich mich angemeldet. Das Dorf ist etwas klein und rar an Hotels, aber über AirBNB wurde ich fündig. Noch schnell einen Mietagen gebucht und das Rad bei der Airline angemeldet.
Nach der WM in Lahti war ich echt platt und müde und die Woche Messe mit dem vielen „rumstehen“ war jetzt auch nicht optimal. Aber mit der richtigen Balance und ein paar tollen Trainingseinheiten auf dem Lakefront Trail am Lake Michigan und vor der schönen Skyline Chicagos brachte ich mich nochmal in Form. Freitag ging es dann mit einer fünf Stunden Autofahrt nach Frankfort. Dort angekommen habe ich mich auch gleich in diesen Ort verliebt. So schön und ruhig. Das einzigste was das Wochenende noch unschön hätte machen können wäre das Wetter. Eins vorne Weg, es gab mal Regen, aber immer dann wenn es mich nicht störte.
Ich habe Freitags noch die Unterlagen abgeholt und einen kurzen lockeren Lauf auf der Laufstrecke gemacht. Die Laufstrecke ist direkt in der Bucht von Frankfort die Postkarten Charakter hat. Früh ins Bett, ich musste mich noch ausruhen. Samstag Mittag bin ich ein Teil der Radstrecke abgefahren. Mega! Noch schnell das Rad eingecheckt.

Race Morning, der Wecker klingelte kurz vor 5 Uhr. Ich entschied mich die knapp 2 km zum Start zu laufen. Dort angekommen alles vorbereitet. In den USA gibt es keine Wechselbeutel sobald es nur eine Wechselzone gibt. So durfte alles unter dem Rad auf der Wiese platziert werden. Die Wassertemperatur wurde verkündet. 16° Grad, am Tag davor sollten es noch ca. 14° Grad gewesen sein. Rolling Start, ich reihte mich weit vorne ein, weil sich dort mehr oder weniger auch fast niemand hintraute. 8:10 Uhr ging es für die Altersklassen los. 8:10:08 sprang ich ins Wasser. Frisch! Es dauerte ca. 300m bis ich mich aklimatisiert hatte. Ich wurde dann etwas überholt aber ansonsten lief das schwimmen schon wie die ganze Saison Solide. Etwas lanmgsamer vermutlich wegen der kälte, stieg ich mit 33 Minuten aus dem Wasser. Dann das größte Problem des Tages. Mit den kalten Fingern habe ich den NEO erst gar nicht aufbekommen. Noch ein paar Schritte laufen, es waren ja noch ein paar Meter bis zum Rad. Dann neuer Versuch und irgendwie ging es. Die Außentemperatur waren da auch noch bei ca. 15 Grad aber ich entschied mich dagegen um noch was anzuziehen, richtige Entscheidung.

Dann ging es auf die Radstrecke. Beine waren gut, musste mich sogar Bremsen. Die Radstrecke ein Traum. Tolle Landschaft, Abwechslungsreich und für USA sehr verblüffent ein richtig toller Straßenbelag. Top! Leichte Rolling hills, 3-4mal eine kleine Rampe zum Austopen. Erst ging es auf die kleine Wendepunktstrecke. Nach ca. 17km war man wieder am Start/Zielbereich und ist durch den Ort gefahren, tolle Stimmung. Dann auf die zweite Wendepunkt Strecke die noch schöner ist als die erste. Dort hatten wir leichten Gegenwind. Lange dachte ich, ich fahre alleine bzw. nur ein Staffelteilnehmer wäre hinter mir. Falsch, da waren noch 3-4 weitere Teilnehmer. Dann zurück mit eher Rückenwind und tendenziell eher leicht runter sind dann auch die Anderen mal vorne gefahren, alles sehr Fair und sicher. So waren wir richtig Schnell unterwegs und haben noch ein paar andere Athleten eingesammelt bzw. überholt.

Dann der Wechsel zum Laufen. Die Wetterbedingungen dafür waren Top. Sonne aber nicht zu heiß. Auf der Laufstrecke waren nur die Profis bisher und ganz wenige Altersklassenathleten. Es musste ca. ein Kilometer zum Zielgelaufen werden und von da dann 2 Runden an der Bucht von Frankfort. Megaschön! Ich wollte 4:15 laufen. Das klappte auch fast. Ich war irgendwo zwischen 4:15 und 4:20 unterwegs. Die Beine waren jetzt deutlich spürbar von Lahti, Messe und dem jetzigen Radfahren. Ich sprach mir gut zu nur noch diesen restliche Kilometer dieses Rennens, dann ist Pause. So rannte ich weiter und weiter. Ab km 5 bemerkte ich, dass sich am rechten Fuß eine Blase an der Fußsohle bildetet. Mit jedem weiteren Kilometer wurde die größer und schmerzte immer mehr. Ich sprach wieder zu mir, nach dem Rennen darf die in ruhe verheilen, also weiter. Zu diesem Zeitpunkt lief ich eine ganze Weile Schulter an Schulter mit einem anderen Athleten. Der hat mich gut gezogen. Mal war ich ein paar Schritte vorn mal er. Irgendwann musste er aber etwas rausnehmen und ich lief im davon. Ich versuchte mich gut zu verpflegen, weil speziell die Muskeln am rechten Bein sich spürbar machten, vermutlich weil ich auch meinen Laufstiel wegen der Blase verändert habe. Speziell in Kurven und Wendepunkten war es sehr schmerzhaft. Bei Kilomter 14km war klar das es knapp mit unter 4:30 wird und auch mit einem Halbmarathon unter 1:30. Aber ich wollte den Rhytmus mit dem Fuß nicht verändern. So lief ich diesen Rhytmus bis zum Ende durch, jetzt in einem Tempo con 4:20-4:25. So kam ich ins Ziel. Ich drehte mich um 4:31:02. Egal nochmal ein super Rennen am Ende der Saison. Die weiteren Finisher waren noch alle unter 4:30. Die meisten sind ja auch nach mir gestartet. Dann kam der Athlet mit dem ich lange Schulter an Schulter lief und auch lange beim Radfahren zusammen war. Seine Zeit 4:31:05. Von einem Helfer, den ich am Tag zuvor an einer Bar in einem Restaurant kennen gelernt habe, habe ich mir das Handy kurz geliehen um die Zeiten und Platzierungen im Live Tracker anzusehen. Dann glaubte ich erst gar nicht was meine Augen sahen. Ich war auf Platz eins in der Alterklasse. Durch den Rollingstart prüfte ich noch ob es möglich sein könnte das von hinten noch jemand kommt. Dann sah ich, dass ich die Alterklasse mit 3 Sekunden Vorsprung anführe. Ihr könnt euch vorstellen welcher Athlet das war. Ich prüfte die Vorletzte Zeitmessstelle. Noch kein weitere Athlet durch. Nach eine vorher, 17,5km oder so, war der dritte über Zehn Minuten zurück. Unmöglich das der das auf 2,5 km aufholen kann, da ich diese ja in etwa dieser Zeit gelaufen bin. Das da dahinter noch jemand kommen sollte sehr unwahrscheinlich. So ging ich zu George, der zweiter wurde, und gratulierte ihm. Der wusste es noch gar nicht. Als seine Frau in den Tracker schaute waren auch sie verblüfft. Er hatte ebenso wenig damit gerechnet wie ich. Am frühen Abend haben wir uns bei der Siegerehrung wieder gesehen.

Die Kirsche auf die Torte kam dann am Abend. Sam Appleton war im selbem Haus untergebracht. Bis da waren wir uns immer nur kurz begegnet. Am Abend haben wir zusammen Burger gegrillt und 4 Stunden über alles mögliche (max. 0,5 Stunde über Triathlon) geredet. Was ein toller Abschluss!

Fazit: Auch ohne das Burger grillen mit einem Profi Triathleten wäre es ein mega Wochenende gewesen. Wie schon geschrieben, war das nur die Kirsche auf der Torte. Das schwimmen war im klaren Wasser, hier wird man immer mit NEO schwimmen dürfen, eher ist eine NEO Pflicht zu erwarten als ein NEO Verbot. Wie schon im Text beschrieben. Mega Straßenverhältnisse. Ich bin schon viel in den USA geradelt, es gibt auch andere gute Orte, aber im Wettkampf durchgängig solche Straßenbeläge hatte ich in den USA noch nie. Das Laufen war ebenfalls einfach Traumhaft. Klar war es auf der zweiten Runde etwas voller und eins zwei Stellen auch mel etwas eng, wo ist das aber nicht. Die Helfer alle Top und wissen wie man Triathlon macht. Wenn man was sucht findet man immer etwas, aber hier für Frankfort kann ich jedem nur zu 100% eine Empfehlung ausprechen. Auch perfekt für Familien und Kinder zum zuschauen. Alles an einem Ort, kurze Wege und eine Großer Spielplatz direkt an der Laufstrecke.

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