312 Kilometer, knapp 5.000 Höhenmeter und ein ganz besonderer Haken auf meiner Bucket List
Ein Traum-Event, ein perfektes Trainingslager und die Frage: Wie viel macht man nach 14 Tagen Swim, Bike, Run eigentlich noch aus den Beinen?
Es gibt Events, die hat man schon lange im Hinterkopf. Man verfolgt sie, hört Geschichten darüber und denkt sich immer wieder: Da möchte ich irgendwann auch einmal am Start stehen! Für mich gehört der Mallorca 312 definitiv dazu.
2026 sollte es endlich so weit sein. Und das Timing? Auf der einen Seite perfekt, auf der anderen aus sportlicher Sicht vielleicht nicht ganz optimal. Warum? Weil das Rennen ausgerechnet auf den letzten Tag meines traditionellen Mallorca-Trainingslagers fiel. Aber dazu gleich mehr.
14 Tage Trainingslager – und dann noch 312 Kilometer?
Wie schon seit vielen Jahren ging es auch 2026 für mich nach Mallorca, um mich im Trainingslager auf die bevorstehende Triathlon-Saison vorzubereiten. 14 Tage voller Swim, Bike, Run standen auf dem Programm – mit jeder Menge Trainingskilometern, Höhenmetern und hoffentlich einer guten Grundlage für die kommenden Wettkämpfe.
Und dann kam der Zufall ins Spiel: Der Mallorca 312 fand genau am Samstag statt, dem letzten Tag unseres Trainingslagers beziehungsweise dem eigentlichen Abreisetag.
Perfektes Timing, weil ich ohnehin auf der Insel war. Nicht ganz perfektes Timing aus Trainersicht, denn nach einem zweiwöchigen Trainingsblock noch einmal 312 Kilometer mit knapp 5.000 Höhenmetern unter die Räder zu nehmen, ist vielleicht nicht unbedingt das, was man als klassische Regeneration bezeichnen würde.
Aber mal ehrlich: Wann ergibt sich schon wieder die Gelegenheit, bei einem der bekanntesten Rad-Events Mallorcas direkt vor der Haustür zu starten?
Also habe ich mich angemeldet und mir sogar einen VIP-Startplatz gegönnt. Die Vorfreude war damit gleich doppelt groß: auf das Trainingslager und auf mein ganz persönliches Abenteuer Mallorca 312.
Die Vorbereitung lief wie geschmiert: Das Trainingslager lief richtig gut. Bei der Königsetappe konnte ich die Streckenplanung so gestalten, dass zwar ordentlich Kilometer zusammenkamen, die ganz großen Höhenmeter aber ausblieben. Außerdem war ich in einer Gruppe unterwegs, die nicht permanent auf Vollgas fahren musste. Genau das kam mir mit Blick auf das bevorstehende Rennen natürlich entgegen.
Beim Ausrollen konnte ich mir sogar noch etwas Zeit nehmen und ganz entspannt die Startunterlagen abholen.
An dieser Stelle ein großes Dankeschön an Ralf, der mir das so ermöglicht hat!
Dann war es so weit. Die Vorbereitungen waren abgeschlossen, das Rad bereit und die Vorfreude riesig. Jetzt musste nur noch der Körper mitspielen.
Früh am Morgen: 8.000 Radfahrer und Gänsehaut am Start
Am großen Tag hatte ich mich mit meinem Triathlon-Kumpel Holger verabredet, der ebenfalls am Start stand. Gemeinsam fuhren wir mit dem Auto in Richtung Startbereich. Das lief entspannt und unkompliziert – genau so, wie man es sich an einem solchen Morgen wünscht.
Durch meinen VIP-Startplatz durfte ich im ersten Startblock stehen. Ein echter Vorteil bei einem Event dieser Größenordnung, denn insgesamt waren rund 8.000 Radfahrer am Start. So blieb mir der ganz große Stress erspart, mich irgendwo in der Masse nach vorne kämpfen zu müssen.
Es war noch dunkel, überall herrschte diese besondere Mischung aus Anspannung, Vorfreude und Nervosität. Dann fiel der Startschuss.
Ab jetzt gab es kein Zurück mehr. 312 Kilometer Mallorca lagen vor mir!
Die ersten rund 20 bis 25 Kilometer waren neutralisiert. Es ging entlang der Küste durch Alcúdia und Port de Pollença bis zum Kreisverkehr bei Pollença. Neutralisiert bedeutete allerdings nicht automatisch entspannt. Auch in diesem Abschnitt wollten viele Fahrer möglichst weit nach vorne, und entsprechend hektisch ging es teilweise zu.
Doch dann war es so weit: Raus aus dem Kreisverkehr und hinein in eine der spektakulärsten Landschaften, die Mallorca zu bieten hat.
Der Küstenklassiker: Mallorca von seiner schönsten Seite
Jetzt begann der Teil, auf den ich mich besonders gefreut hatte: die wunderschöne Gebirgslandschaft im Nordwesten der Insel, der legendäre Küstenklassiker.
Und das Wetter spielte perfekt mit. Blauer Himmel, angenehme Temperaturen, weder zu heiß noch zu kalt. Besser hätte man es sich kaum wünschen können.
Das Tramuntana-Gebirge zeigte sich von seiner schönsten Seite. Kurve um Kurve, Anstieg um Anstieg eröffneten sich fantastische Ausblicke auf die Berge und das tiefblaue Meer. Diese Kombination macht Mallorca für mich als Radfahrer einfach besonders.
Natürlich gab es auch ordentlich Höhenmeter zu sammeln. Der Anstieg Richtung Puig Major und weitere knackige Passagen forderten ihren Tribut. Doch genau diese Mischung aus sportlicher Herausforderung und traumhafter Landschaft macht den Reiz dieser Strecke aus.
Mit deutlich über 1.000 Trainingskilometern in den Beinen – dazu Schwimm- und Laufeinheiten aus dem Trainingslager – war mir klar, dass ich meine Kräfte gut einteilen musste.
Also lieber etwas konservativer fahren, nicht überziehen und vor allem keinen unnötigen Stress machen. Schließlich würde dieser Tag noch lang genug werden.
Die Beine fühlten sich erstaunlich gut an. Immer wieder fand ich kleinere Gruppen, mit denen ich ein Stück gemeinsam fahren konnte. Bergauf fuhr ich mein eigenes Tempo, bergab ließ ich es rollen, ohne unnötige Risiken einzugehen.
Denn bei 312 Kilometern zählt nicht, wer nach den ersten 50 Kilometern der Schnellste ist. Entscheidend ist, wer am Ende noch Reserven hat.
Wer glaubt, dass es nach Andratx flach wird, irrt sich gewaltig!
Irgendwann näherten wir uns Andratx und hatten damit einen der landschaftlich beeindruckendsten Abschnitte hinter uns.
Jetzt könnte man meinen, dass es von dort aus langsam entspannter wird und die Strecke zunehmend flacher verläuft. Aber wer Mallorca kennt, weiß es besser.
Es warteten noch zwei weitere kleinere Berge, die ebenfalls erklommen werden wollten. Danach führte die Strecke langsam, aber keineswegs völlig mühelos, wellig zurück in Richtung Norden.
Und dann kam die entscheidende Frage: 226 Kilometer oder die volle Distanz über 312 Kilometer?
Für mich stand die Antwort eigentlich schon lange fest. Die 312 Kilometer waren der Grund, warum ich mich überhaupt angemeldet hatte. Die kürzere Distanz wäre nur dann eine Option gewesen, wenn die Beine komplett zugemacht hätten oder es aus irgendeinem anderen Grund nicht mehr sinnvoll weitergegangen wäre.
Aber davon war ich glücklicherweise weit entfernt.
Also ging es rechts auf die große Runde – hinein in den östlichen Teil der Insel und hinein in die letzten rund 100 Kilometer.
Die letzten 100 Kilometer: Der Kopf übernimmt langsam das Kommando
Im Osten Mallorcas wurde das Gelände zwar flacher, aber natürlich war auch dieser Abschnitt kein Selbstläufer. Immer wieder tauchten steile Rampen auf, und auch der Wind machte sich bemerkbar.
200 Kilometer fährt man schließlich nicht jeden Tag. Und wenn dann noch einmal 100 Kilometer vor einem liegen, merkt man durchaus, dass man schon eine ganze Weile unterwegs ist.
Jetzt war es wichtig, weiter konzentriert zu bleiben, regelmäßig zu essen und zu trinken und sich die Kräfte gut einzuteilen. Es ging nicht mehr darum, irgendwo Zeit herauszuholen. Es ging darum, die Strecke sauber zu Ende zu fahren und dieses Erlebnis zu genießen.
Ein echtes Highlight waren dabei die letzten beiden Verpflegungsstellen.
Vor allem die Verpflegung in Artà war der Hammer! Der Marktplatz fühlte sich eher wie eine große Disco für Radfahrer an. Musik, Stimmung und überall Fahrer, die noch einmal Energie tankten. Dazu Cola, Süßigkeiten und alles, was man nach so vielen Stunden im Sattel gebrauchen konnte.
Genau solche Momente machen ein Event wie den Mallorca 312 aus. Man ist zwar allein auf seinem Rad unterwegs, aber gleichzeitig Teil einer riesigen Gemeinschaft. Überall Menschen, die dasselbe Ziel verfolgen: ankommen und diesen besonderen Tag erleben.

Mit neuer Energie ging es auf den finalen Abschnitt.
Die letzten 30 Kilometer – und dann endlich im Ziel!
Die letzten Kilometer zurück nach Playa de Muro waren noch einmal ein ganz besonderer Moment. Die Beine hatten mittlerweile ordentlich Arbeit geleistet, aber das Ziel war greifbar nah.
312 Kilometer. Knapp 5.000 Höhenmeter. Ein kompletter Tag auf dem Rad.
Und dann war es geschafft!
Ich rollte glücklich und zufrieden über die Ziellinie. Kein Kampf um Sekunden, keine Jagd nach einem bestimmten Schnitt, keine Rekordambitionen. Ich wusste von Anfang an, dass es an diesem Tag um etwas anderes ging.
Es ging darum, dieses Event zu erleben, die Strecke zu genießen und mir einen lang gehegten Wunsch zu erfüllen.
Mit knapp 5.000 Höhenmetern war es für mich möglicherweise sogar einer der höhenmeterreichsten Rad-Tage überhaupt. Ganz genau lässt sich das nach all den Jahren nicht mehr sagen. Aber spielt das wirklich eine Rolle?
Der Mallorca 312 war ein Erlebnis, das ich so schnell nicht vergessen werde.
Acht Kilometer zurück ins Hotel – der Tag war noch nicht ganz vorbei
Nach dem Zieleinlauf war der Tag tatsächlich noch nicht vollständig beendet. Schließlich musste ich auch noch die rund acht Kilometer zurück ins Hotel fahren.
Dort warteten bereits einige Gäste aus unserem Triathlon-Camp gespannt auf die Geschichten des Tages. Natürlich gab es jede Menge zu erzählen: von der traumhaften Strecke, den Anstiegen, den vielen Radfahrern, den Verpflegungsstationen und natürlich von den letzten Kilometern.
Gemeinsam ließen wir den Tag bei einem leckeren Bierchen gemütlich ausklingen.
Nach 312 Kilometern und fast 5.000 Höhenmetern schmeckt das Feierabendbier definitiv noch einmal anders!
Mein Fazit: Einmal Mallorca 312 – und absolut empfehlenswert!
Der Mallorca 312 ist ein Mega-Event. Die Strecke ist wunderschön, die Organisation und die Stimmung machen Lust auf mehr, und die Kombination aus sportlicher Herausforderung und mallorquinischer Landschaft ist einfach besonders.
Natürlich muss man auch ehrlich sein: Bei rund 8.000 Radfahrern wird es auf manchen Abschnitten ziemlich voll. Gerade zu Beginn und auf beliebten Streckenpassagen ist Rücksichtnahme gefragt. Wer sich darauf einstellt und nicht ausschließlich auf Bestzeiten aus ist, kann hier aber ein fantastisches Erlebnis haben.
Würde ich das Event anderen Mallorca-Fans empfehlen? Auf jeden Fall!
Man muss sich bewusst sein, dass 312 Kilometer kein Spaziergang sind. Eine gute Vorbereitung, eine vernünftige Krafteinteilung und ausreichend Verpflegung sind entscheidend. Und wer – wie ich – direkt aus einem zweiwöchigen Trainingslager kommt, sollte sich gut überlegen, wie viel Belastung der Körper tatsächlich verträgt.
Aus rein trainingsplanerischer Sicht war der Zeitpunkt vielleicht nicht ideal. Aber manchmal muss man auch die Gelegenheit nutzen, wenn sie sich bietet.
Ich habe meinen Haken hinter dieses Event gesetzt, bin glücklich und um eine großartige Erfahrung reicher.
Mallorca 312 – Bucket List erledigt!
Und eines steht jetzt schon fest: Mallorca, ich komme wieder! Ich freue mich auf 2027 und auf viele weitere Kilometer auf dieser wunderschönen Insel.
Bis dahin heißt es erst einmal: regenerieren, die Eindrücke genießen und die nächsten sportlichen Ziele ins Visier nehmen.
Denn nach dem Rennen ist bekanntlich vor dem Rennen! 🚴♂️

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